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The British Library – Bibliothek in der Praxis

Die Nationalbibliothek des Vereinigten Königreichs verfügt über eine Sammlung von insgesamt 150 Mio. Werke. Die Medienwerke bestehen aus 58 Mio. Patente, 14 Mio. Bücher, 8 Mio. Briefmarken, 3 Mio. Tonträger und 920.000 Zeitschriften bzw. Zeitungsartikel. Die Bibliothek hat drei Standorte: die British Library in London (St. Pancras), Newspaper Library in London (Colindale) und British Library in Boston SPA (Yorkshire). In der Bibliothek befinden sich Plätze für 1.200 Leser, pro Tag kommen 16.000 Besucher, pro Jahr nutzen 6 Mio. Menschen den Online Katalog und 40.000 besuchen den Lesesaal. Der Leitgedanke ist der Erhalt des intellektuellen, nationalen Gedächtnisses.

Der Internetauftritt umfängt 10.000 Webseiten, 90.000 Bilder/Tondateien unter „Collect Britin“, 9 Mio. Artikel aus 20.000 Top-Zeitschriften und 13 Mio. Datensätze im Katalog. Die Recherche im Katalog ist durch Tags, einfache und erweiterte Suche möglich.

Könnte die British Library eine Bibliothek 2.0 genannt werden? Dieser Begriff lehnt sich an die Begrifflichkeit des Web 2.0 an. Im Zeitalter des Internets alles wird schneller, ortsunabhängiger und kostengünstiger zugänglich. Die Erwartungen der Nutzer werden dementsprechend anders und unterliegen auch einem Wandel. Von den Bibliotheken wird das Umdenken erwartet. Um dabei zu bleiben müssen sie sich für die Digitalisierung und Einbindung in das Internet entscheiden. Durch Nutzung der Web 2.0 Services können die Bibliotheken den Nutzern näher kommen. Weil die Grundidee der Web 2.0 Services ist eine kollaborative Arbeit und aktive Beteiligung von möglichst vielen Personen, kann es sogar dazu kommen, dass es eine Bibliothek entsteht in der der Benutzer mitarbeitet und dadurch Teil des Bibliotheksbetriebs wird. Es kommt zu Verschiebung der Rollenverteilung zwischen professionellen Bibliothekaren, die das Wissen aufbereiten und den Nutzern die ursprünglich nur passiv von den fertiggestellten Ergebnissen profitiert haben.

Die British Library hat den Wandel erkannt und die entsprechende Schritte unternommen um die Nutzer der Bibliothek nicht zu verlieren.

Es wurde eine Strategie für die Jahre 2008 – 2011 entwickelt, welche die Verantwortung für den Erhalt dokumentierter Historie und Sicherung des digitalen und physischen Zugangs zu kontemporären Wissen umfasste. Es sollte eine ausreichend große Menge an Digitalisaten geschaffen werden und die bereits implementierte Strukturen sollten als Grundstock für ein neues „Digital Research Center“ ausgebaut werden. Dadurch sollten die kulturellen Angebote sowohl vor Ort als auch im Internet weitergeführt werden. Die technische Infrastruktur sollte auch verbessert werden um die bestehende Systeme zu unterstützen und zwar die adäquate Hard- und Software und die Speicherung sowohl wie Zugang zu Digitalisaten (vor allem mehrere Speicherorte). Man bemühte sich an die Erwartungen der Nutzer anzupassen und der Fokus wurde stark auf Kollaboration gelegt und zwar durch den Einbau von vielen Web 2.0 Angeboten.

Das „Digital Programme“ sollte einen umfassenden und zuverlässigen Management-System für Digitalisaten schaffen. Das System verfügt über solche Funktionen wie dauerhafte Aufnahmen, Speicherung und Erhalt aller Formen digitalen Materials und Zugang zu den Digitalisaten durch zeitgerechte Anwendungen wie e-Ressourcen, virtuelle Tools und kollaborative Netzwerke. Digitalisiert wurden 20 Mio. Seiten von Literatur aus dem 19. Jhdt. (aus ca. 80.000 Büchern), 1 Mio. Seiten historischer Zeitungen, 4.000 Std. Audiodateien und 100.000 Seiten griechischer Manuskripte.

Aus dem Jahresbericht 2009/2010 geht hervor, dass bereits der 500.000te Medienwerk zum Digital Library System hinzugefügt wurde und dass es bereits 65.000 Digitalisate von Büchern aus dem 19. Jhdt. und über 3 Mio. Seiten historischer Zeitungen gibt. Es wurden auch virtuell alle Teile einer der zwei ältesten Bibeln (Teile in London, Leipzig, Ägypten, St. Petersburg) zusammengefügt. Es wurde Teil am IMPACT-Projekt (Improving Access to Text) genommen und es wurden viele Webanwendungen in den Bereichen Wissenschaft, Technik und Medizin unterstützt, unter anderem durch Mitarbeit an dem Wissenschaftsportal – http://www.worldwidescience.org (mit dem gleichzeitigen Zugang zu über 50 Datenbanken). Die Preservation Advisory Centre unterstützt dem Erhalt von Sammlungen durch Trainingsangebote und Bereitstellung von Informationen und notwendigen Tools. Die Ergebnisse der Arbeit sind z.B. Podcasts – Informationen zu Medienwerken, Vorträge zu Ausstellungen und E-Learning. Der E-Lerarning Angebot besteht aus vielen Teilen, wie „Culture&Knowledge“, „Creative Research Visits and Workshops Citizenship History“, „Arts & Images“ und „Language & literature“ (Audiodateien zu Poesie, Karten). Der nächste Resultat der Arbeit ist die Online-Galery. Sie umfasst eine Suchfunktion (auch über Tag-Cloud), hervorgehobene Schwerpunkte (mit Links zu Online-Ausstellungen), Highlights Tour (Vorstellung der 15 größten Schätze der Bibliothek) und Personal Galleries. In den Personal Galleries kann man einzelne Objekte der Online Gallery individuell auswählen und zu einer neuen Galerie zusammenfügen. Überdies gibt es „Virtual books“ – als Einführung in Turning the Pages, mit Links zu einzelnen Büchern und „Online Exhibition“, welche verschiedene Ausstellungen umfasst. Und schließlich „Your Stories“ und Blogs mit Erfahrungen einzelner Nutzer in Bezug auf die British Library, wo verschiedene Themen besprochen werden können.

Es wurden bereits Ziele für das Jahr 2020 gesetzt. In allgemeiner Vision sollen die PCs durch mobile Geräte ersetzt werden und die Institutionen sollen einen Wandel zu Gunsten deren Effizienz und Wert durchgehen. Es soll eine stetige und schnelle Veränderung von Technologien geben – „Technology will be in a constant state of beta“, welche den kulturellen Diskurs ermöglichen und fördern sollen. Es sollen der Konsum von Medien bei jungen Leuten und die Erwartungen und Anforderung der Nutzer ansteigen – „Digital natives will assume everything’s on the web“. Es wird auch mehr kollaborative Elemente beim Lernen geben. Ein konkretes Ziel der British Library ist die führende Position in einem globalen Informationsnetzwerk als Beitrag zu wachsendem Weltwissen zu haben. Die Wissenszugänge für kommende Generationen sollen garantiert werden und die Research Communities in sozialem und ökonomischem Nutzen unterstützt. Kurz gesagt, das kulturelle Leben des Vereinigten Königreichs soll bereichert werden.

Quellen:
http://www.oreilly.de/artikel/web20.html
http://www.bl.uk/
Danowski, Patrick, Heller, Lambert: Bibliothek 2.0: Die Bibliothek der Zukunft?. In: Bibliotheksdienst 11/2006, S. 1256 – 1271

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