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Archive for the ‘Communities of Practice’ Category

VCoP – Untersuchung der Seite Juraforum.de

Wer ist da drin? Wer darf rein?

In den Foren sind anscheinend hauptsächlich Jura-Studenten, da viele Themen auf einer theoretischen Ebene stattfinden und oft die Erfahrung aus der Praxis.
So wird zum Beispiel nur äusserst selten aus ein Fall aus der Praxis erwähnt. Weiterhin ist auch der Gutachtenstil ein Hinweis dafür. Ein Beschränkung der Nutzer/Mitglieder gibt es nicht.

Wie ist die Seite aufgebaut?

Die Seite ist in 10 grosse Bereiche aufgeteilt: Nachrichten, Jura-Foren, Wiki, Juraexamen, Für Anwälte, Urteile, Gesetze, Lexikon, Beratersuche, Juralinks.
In den Foren hat man am Rand Zugriff verschiedene Tools wie Gesetze und Urteile.

Wie wird kommuniziert? Wie gehen die Nutzer miteinander um?

Kommunikation findet auf sachlicher Ebene statt und beinhaltet kaum den Austausch von privaten Informationen.

Was wird kommuniziert (pers. Opinion/Erfahrung/book knowledge/ institutional practice)?

siehe Tabelle

Gibt es eine „Community“?

Eine Community lässt sich nicht wirklich erkennen, da es keinen Austausch von privaten Informationen gibt und daher der Bezug zwischen den einzelnen Mitgliedern nur in begrenzter Form existiert.

Tabelle mit den Ergebnissen

url der Foren

Erhöhung NK-Abschläge nach unwirksamer Abrechnung?
http://www.juraforum.de/forum/mietrecht/erhoehung-nk-abschlaege-nach-unwirksamer-abrechnung-344445

Entziehung des Pflichtteils
http://www.juraforum.de/forum/aktuelle-juristische-diskussionen-und-themen/entziehung-des-pflichtteils-328478

GbR Gründung: Kosten und Geschäftspartnernationalität
http://www.juraforum.de/forum/gesellschaftsrecht/gbr-gruendung-kosten-und-geschaeftspartnernationalitaet-343882

Notrufangebot
http://www.juraforum.de/forum/gewerberecht/notrufangebot-337556

Von einer Schadensmeldung zurücktreten ?
http://www.juraforum.de/forum/versicherungsrecht/von-einer-schadensmeldung-zuruecktreten-344594

Gewonnene Auktion EUR 1, missverständliche Artikelbeschreibung
http://www.juraforum.de/forum/internetrecht/gewonnene-auktion-eur-1-missverstaendliche-artikelbeschreibung-345025

Thema book knowledge personal opinion personal suggestion institutional practice
Erhöhung NK-Abschläge nach unwirksamer Abrechnung? 6 4 1
Entziehung des Pflichtteils 3 3
GbR Gründung: Kosten und Geschäftspartnernationalität 3
Notrufangebot 1 4 1
Von einer Schadensmeldung zurücktreten? 1 3
Gewonnene Auktion EUR 1, missverständliche Artikelbeschreibung 1 10

Analyse von Twits unter #attorney

Erster Eindruck:

Aufgrund der stark beschränkten Zeichenanzahl von Twits ist es kaum möglich, wirklich Diskussionen über dieses Medium zu führen. Es handelt sich zumindest in Bezug auf komplexere Themen (wie eben auch Recht) nicht um ein Diskussionsmedium.

Vielmehr ist der implizite Sinn von Twitter, über seine eigene Situation zu plaudern. Wird durch den hashtag dennoch eine Sachlage vorgegeben, handelt es sich bei den Twits vor allem um die Verteilung von Links auf Sachverhalte, die vom Sender als interessant eingestuft werden – worüber sich dieser mitteilen will.

Was sich auch zeigt, ist dass ein Großteil der Twitterer unter dem hashtag #attorney keine Anwälte sind – oder in der Diskussion zumindest nicht als solche auftreten. Das lässt sich insbesondere über die Profilbildchen erkennen.

Nähere Untersuchung:

Book Knowledge: Diese Links weisen im Beispiel #attorney oft auf Artikel, die gewisse Strafprozesse oder juristische oder legislative Entscheidungen beschreiben. Da sich im amerikanischen Rechtswesen jeder Urteilsspruch nicht nur auf geltendes Recht beruft, sondern auch geltendes Recht macht, kann man Twits mit Links auf Artikel, die wiederum Urteilssprüche behandeln, als Book Knowledge verstehen. Offensichtlich ist dies aber nur über einige Ecken möglich.

Institutional Practice wird im Grunde gar nicht behandelt. Dieser kanzleiabhängige Bestandteil ist auch generell im Rechtswesen von geringer Bedeutung, da sich seine Gültigkeit ja nur auf das jeweilige Unternehmen beschränkt und damit für Mitarbeiter anderer Kanzleien nicht relevant ist.

Personal Opinion ist ebenfalls nicht zu finden, es sei denn, es handelt sich um Meinugen, die nichts mit der Ausübung eines Anwaltsjobs zu tun haben.

Personal Suggestion kommt tatsächlich häufiger vor. Zwar wird auch hier nur über Links auf gewisse Seiten mit Tips für Anwälte verwiesen, doch die Verweisung auf eine solche Tipliste kann man durchaus als Empfehlung (Suggestion) dieser Tips verstehen.

Analyse:

Um der Analyse zumindest eine gewisse empirische Gültigkeit zu verleihen, wollen wir die ersten 40 Twits in Kategorien einteilen, die da wären:

  1. Twit beinhaltet Link (beinhaltet URL)
  2. Twit ist eine Antwort (beinhaltet @XY Antwort)
  3. Twit ist Book Knowledge zuzuordnen
  4. Twit ist Personal Suggestion zuzuordnen
  5. Twit ist Institutional Practice zuzuordnen
  6. Twit ist Personal Opinion zuzuordnen (relevante Meinung)
Link Antwort Book Knowledge Pesonal Suggestion Institutional Practice Personal Opinion
26 8 4 4 2 0

Unter den Links ist eine Menge Werbung (nach dem Schema: Wir sind eine Tolle Kanzlei)

CoP – Book Knowledge and Practical Knowledge

Unter Book Knowledge versteht man Wissen, welches verbalisiert worden und in Dokumenten beinhaltet ist. Es handelt sich also um explizites Wissen. Weiterhin gibt es das Practical Knowledge, welches Wissen ist, das verinnerlicht wurde und nicht unbedingt verbalisiert werden kann. Es kann eine Umwandlung des Book Knowledge in Pracital Knowlegde durch Internalisierung erfolgen, so dass es als implizites Wissen verfügbar ist. In einer Organisation Book Knowledge in Practical Knowledge umzuwandeln erfordert, dass die Personen den Willen haben, das BK zu verinnerlichen. Eine Unterweisung durch jemanden, der das PK schon hat, erleichtert die Umwandlung, da eine Wissensvermittlung hier auch ohne Verbalisierung möglich ist. Wenn zum Beispiel ein Meister einem Lehrling einen Prozess zeigt ohne alles zu erklären, kann der Lehrling mehr aufnehmen als der Meister verbalisiert hat. Das Gleiche gilt für die Anwendung von BK durch einen Neuling, hier können Korrekturen durchgeführt werden und Lücken geschlossen werden, die durch die fehlende Möglichkeit zur Verbalisierung entstehen.
Als Beispiel für Practical Knowledge eignen sich Bewegungsabläufe aus dem Bereich des Sports. Viele Bewegungen können beschrieben und dokumentiert werden (also als explizites Wissen dargestellt werden), aber das Erlernen, Üben, Verinnerlichen und Wiedergabe können nicht unbedingt verbalisiert werden. Das Wissen, welche Bewegung wann und wie auszuführen ist, ist durch den Sportler abrufbar und Teil seines Wissens, welches eingebettet ist in verschiedene Aspekte seiner Persönlichkeit (kultureller Hintergrund, Geschichte u.s.w.). So können Trainer ihr Book Knowledge zwar begrenzt vermitteln (durch Dokumentation), aber nicht ihre eigenen Erfahrungen (wie die eigene Körperbalance bei einer Bewegung) weitergeben. Diese Lücke könnte durch Vorführen des Bewegungsablaufes eventuell geschlossen werden.

CoP – book knowledge and practical knowledge

Dezember 16, 2010 2 Kommentare

Ich möchte kurz vorstellen, wie aus einem Medizinstudent ein Arzt wird. Dieses Beispiel zeigt meiner Meinung nach anschaulich, wie man von book knowledge zu practical knowledge kommt.

Wenn sich jemand entscheidet Medizin zu studieren, dann trifft er damit auch die Entscheidung, Arzt zu werden. Damit ist das Medizinstudium zugleich eine Berufsausbildung. Um keine völlig unerfahrenen Ärzte auf die Bevölkerung loszulassen ist es wichtig, dass die Studenten im Anschluss an ihr Lernen aus Büchern in der Universität in eine praktische Phase übergehen, in der sie das theoretische Wissen anwenden können und neues praktisches Wissen hinzugewinnen können.

Zu diesem Zweck gliedert sich die Ausbildung als Arzt in drei Teile:

  1. Die Vorklinik
  2. Der klinische Teil
  3. Die Berufsausbildung

Im vorklinischen Teil (Regelstudienzeit vier Semester) lernen die Studenten theoretisches Wissen über den menschlichen Körper, die Seele und die Gesellschaft. Dieses Wissen wird in einer zentralen Abschlussprüfung abgefragt. Besteht der Student diese Prüfung, kann er in den klinischen Teil übergehen. Allerdings gibt es bereits im vorklinischen Teil ein dreimonatiges Krankenpflegepraktikum. Außerdem müssen die Studenten einen Erste-Hilfe-Kurs belegen. Somit soll gesichert werden, dass sie über die praktischen Mindestvoraussetzungen für die Klinik verfügen und dort nicht völlig unbedarft mit den Patienten umgehen.

Auch im klinischen Teil (Regelstudienzeit 8 Semester) lernen die Studenten noch theoretisches Wissen. Allerdings besteht dieses Wissen nicht mehr so sehr aus Grundlagen, sondern hat bereits einen deutlichen Bezug zur Praxis. Jetzt geht es um die Krankheiten und ihre Behandlung. Innerhalb dieser Zeit steht ein weiteres Praktikum in der Krankenversorgung an, die sogenannte Famulatur (4 Monate). Hier lernen die Studenten die Ambulanz und das Krankenhaus kennen.  Zur selbstständigen praktischen Arbeit kommt es aber erst im letzten Studienjahr. Dann gehen die Studenten in eine Klinik und absolvieren ein praktisches Jahr. Zum Abschluss des klinischen Teils steht die zweite Prüfung an, die auch einen praktischen Teil beinhaltet.

Danach können die Studenten die Berufsausbildung als Arzt beantragen. Es schließt sich eine weitere praktische Ausbildung an, an deren Ende der Student endlich ein richtiger Arzt ist.

Wie man sieht ist das Studium der Medizin von vielen praktischen Phasen durchdrungen, um sicherzustellen, dass der Übergang von der Theorie in die Praxis gelingt. Durch Prüfungen und die schiere Länge der Ausbildung soll erreicht werden, dass ein Arzt wirklich kompetent ist.

 

Quelle:

http://de.wikipedia.org/wiki/Studium_der_Medizin (16. Dezember 2010 zwischen 10:00 und 12:00 Uhr)

CoP – Erfahrungsberichte zum Thema Lernen in einer Gemeinschaft

Dezember 12, 2010 1 Kommentar

1.

Ich habe im Jahr 2004 ein Praktikum in einer Metallfirma in Neuss absolviert. Zu meinen Tätigkeit im Betrieb gehörten anfangs nur Kaffee kochen und sauber machen. Zu meinem Bedauern hat mir das Praktikum anfangs keinen Spaß gemacht, weil ich mit der Absicht um etwas zu lernen dieses Unternehmen gewählt hatte. Ich musste die Unternehemnsleiterin bitten mir andere Aufgaben zu geben, damit ich auch wirklich was lernen konnte. Sie hat mich in die Aufgaebn des Betriebes eingeführt und mir alles gezeigt. Nach einer Woche durfte ich mich dann auch mit den Aufgaben des Unternehmens befassen, bei denen mir wirklich alle Mitarbeiter des Unternehmens geholfen haben. Natürlich mussten die erledigten Aufgaben durch die Mitarbeiter kontrolliert werden, erst dann war die Aufgabe auch wirklich erledigt. Eine Gemeinschaft gab es in diesem Unternehmen nur in dem Sinne, dass wirklich alle aufeinander eingespielt waren. Jeder hat dem anderen geholfen, wo er konnte. Im Großen und Ganzen herrschte eine sehr lockere und angenehme Atmosphäre in diesem Unternehmen.

2.

Ein Freund von mir hat in einer Medienagentur vor kurzer Zeit ein Praktikum absolviert. Zu seinen Tätigkeiten gehörten zu Beginn des Praktikums ebenfalls nur Kaffe kochen, kopieren und sauber machen. Auch er wurde nach einigen Tagen in die Projekte des Betriebes eingeführt und durfte bei der Erledigung der Aufgaben zugucken. Da er aber nur der Praktikant war, durfte er sich mit den wichtigen Tätigkeit, wie Webdesign oder Grafikdesign nicht auseinander setzen. Jedoch durfte er innerhalb kurzer Zeit die Datenbankpflege übernehmen, aber auch diese wurden von dem Geschäftsführer erst konntrolliert bevor die Aufgabe für erledigt erklärt wurde. Bei Fragen konnte er sich direkt an die Mitarbeiter wenden, die im jederzeit versucht haben zu helfen und die Fragen zu beantworten. Auch bei ihm herrschte eine lockere und angenehme Atmosphäre, was vielleicht auch überwiegend daran lag, dass das Unternehmen aus einem sehr jungen und dynamischen Team bestand. Das Wissen wurde direkt unter den Mitarbeitern ausgetauscht, während des Lösens eines bestimmten  Problems.

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CoP – Erfahrungsberichte zum Thema Lernen in einer Gemeinschaft

Dezember 12, 2010 1 Kommentar

CoP – Erfahrungsberichte zum Thema Lernen in einer Gemeinschaft

Mein Praktikum habe ich im Jahr 2010 in einer Beteiligungsfirma absolviert. Das Unternehmen beschäftigt sich mit der Beratung und Investition und sucht nach Unternehmen, die in den iranischen Markt investieren bzw. mit iranischen Unternehmen kooperieren möchten. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, dass die Unternehmen voneinander profitieren in dem sie Entwicklungen und Knowhow bis zu einem gewissen Grad miteinander austauschen. Meine Aufgaben waren vielfältig und würden mir nach und nach zugewiesen. Am Anfang dürfte ich die anderen Mitarbeiter beim Arbeiten beobachten und kleine Aufgaben übernehmen. Nach kurzer zeit war mir gestattet an Meetings teilzunehmen. Nach ca. 3 Wochen habe ich mit den Arbeitskollegen im Iran kommuniziert, dies geschah über einen Emailserver bei den wichtigen Informationen. Kurze Absprachen sind über oovoo oder Skype erfolgt.  Bei Informationslücken musste ich meine Arbeitskollegen um Hilfe bitten oder selbst im Internet recherchieren. Trotz eines zum Teil sehr gut eingerichteten Intranet sind die meisten Kommunikationen über Skype oder das Telefon erfolgt. Für die meisten Mitarbeiter war das Arbeiten mit dem Intranet kompliziert und Arbeitsaufwendig. Im Unternehmen legt man einen großen Wert auf implizites Wissen und meistens lernen die „Neulinge“ alles in dem sie den erfahrenen über die Schulter schauen.

 

Ein Bekannter hat als Skripter ein praktikum  bei der Sendung Xdiaries absolviert.In den ersten 3 Wochen dürfte er einem Skripter und seinen Tätigkeiten beobachten und sich so das nötige Wissen aneignen. Insgesamt hatte er die Möglichkeit die Arbeitsabläufe von 3 verschiedenen Skripter zu beäugen. Nach 3 Wochen war ihm gestattet selbst die Tätigkeiten eines Skripters auszuführen, wobei er in den ersten 3 Tagen von einem erfahrenen Skripter begleitet würden ist. Er dürfte an Meetings teilnehmen. Feierabendbier gehörte zur Teamskultur. Er erwähnte, dass dabei viel über den vergangenen Arbeitstag geplaudert würde.

CoP – Erfahrungsbericht zum Thema Lernen in einer Gemeinschaft

Dezember 9, 2010 1 Kommentar

Da ich noch keine Arbeitsstelle hatte und auch noch kein Praktikum absolviert habe, werde ich zwangsläufig über meinen Zivildienst schreiben.

Wie man sich denken kann, handelte es sich dabei um keine sehr wissensintensive Beschäftigung. Da dies die Beschreibung von Wissenstransfer und Gemeinschaft nicht einfach macht, möchte ich mich an die vorgegebenen Fragen  halten und diese einfach zu beantworten versuchen.

Zunächst aber eine kurze Beschreibung des Tätigkeitsfeldes: Bei meiner Zivildienststelle handelte es sich um ein Naturkundemuseum. Die beiden Zivildienststellen werden dort im Rahmen des Zivildienstes im Naturschutz angeboten. Meine Aufgabe bestand vor allem darin, das Haus zu „betreiben“. Ich schloss jeden Tag auf, schaltete die Lichter ein, betreute die Besucher, löschte die Lichter wieder und verriegelte das Haus am Ende des Tages.

In den Teilen meiner täglichen Arbeitszeit, in denen das Museum noch nicht geöffnet hatte, musste ich für Sauberkeit im Haus sorgen, den Garten pflegen und neue Ausstellungen vorbereiten. Zudem kamen noch weitere Aufgaben hinzu, die ein Mitarbeiter des Forstamts mitbrachte.

In aller Regel war neben mir noch ein anderer Zivildienstleistender zugegen, mit dem ich mir die Arbeit teilen konnte.

Wie war das Arbeitsverhältnis zum Chef/zu Kollegen?

Diese Frage möchte ich zuerst beantworten, weil dann klar wird, wie dort gearbeitet wurde. Mein eigentlicher Vorgesetzter war eigentlich so gut wie nie im Haus. Er arbeite für die Stadt, wo ich auch meinen Zivildienst absolvierte. Die Person, die oft da war, und die unser „gefühlter“ Chef war, war der Mitarbeiter des Fortsamtes, der im Rahmen seiner pädagogischen Aufgabe dort Führungen anbot und seine anderen pädagogischen Arbeiten koordinierte. Häufig wies er uns an, ihn bei seiner Arbeit zu unterstützen.

Direkt beim ersten Treffen machte er mir klar, dass wir uns duzen sollten. Ähnlich undistanziert war auch das Verhältnis zwischen ihm und uns beiden Zivildienstleistenden. Das hatte den Vorteil, dass man sich sehr direkt mit ihm unterhalten konnte, aber so hat es auch einige Streits gegeben.

Zwischen den Zivildienstleistenden herrschte natürlich eine Art Gemeinschaft, da man sich ja in der gleichen (Zwangs-)Lage befand. Allerdings konnte ich ihn nicht wirklich leiden, weshalb wir doch eher distanziert waren.

Wie/mit wem haben Sie dort neues Wissen generiert?

Prinzipiell wären folgende Wissenstransfers möglich gewesen:

  • Zwischen den Zivildienstleistenden
  • Zwischen dem „Chef“ und den Zivildienstleistenden

und zwar jeweils in beide Richtungen.

Von dem anderen Zivildienstleistenden konnte ich leider nicht viel lernen, da ich ständig das Gefühl hatte, dass ich ihm in allen Aufgaben überlegen war. Einzig von seiner Kommunikationsfähigkeit hätte ich mir eine Scheibe abschneiden können, was ich aber nicht tat, weil ich seine geschwätzige Art ablehnte. Um meinen „Chef“ zu zitieren: „Er kann dir einen Sack voll Scheiße verkaufen und du denkst, du bringst einen Goldschatz mit nach Hause.“

Er spielte sich zwar ständig als Lehrmeister auf, doch bald merkte ich, dass er viele Dinge einfach sagte, obwohl er sich gar nicht sicher sein konnte, denn in mindestens 50% der Fälle, war das, was er sagte, schlicht falsch. Nach einer Weile gab ich es auf, ihn zu korrigieren. So konnte er natürlich auch nichts von mir lernen. Dazu wäre er aber vermutlich auch viel zu begeistert von sich selbst gewesen.

Von meinem „Chef“ habe ich sicher einige Dinge lernen können. In Anbetracht der praktischen Tätigkeiten handelte es sich bei dem transferierten Wissen wohl eher um implizites Wissen. Ich lernte – wie man sagt – „anzupacken“. Außerdem erlernte ich den Betrieb einiger Maschinen wie der Stichsäge oder dem Bandschleifer.

Mein „Chef“ hätte von mir sicher auch einiges lernen können. Er war durchaus motiviert, mein Wissen zu erlangen, besonders, was den Umgang mit gewisser Software (vor allem Bildbearbeitung) betraf. Er wollte sich sogar an einem Vormittag von mir alles zeigen lassen, aber dazu kam es dann doch nicht mehr. Vermutlich hätte er es aber auch schnell wieder vergessen, weil er schon relativ alt war…

Unabhängig von diesen Personen lernte ich, mit den Besuchern des Museums umzugehen und gewann so Erfahrung im Umgang mit fremden Menschen.

Alles in allem war der Lernerfolg bei allen oben genannten Personen (und das schließt die Besucher des Museums ein) nicht sehr hoch. Was mich anging, hätte ich die neun Monate sicher deutlich besser verbringen können. Ich bitte um Entschuldigung, dass ich kein besseres Beispiel bringen kann.

 

Bericht eines Freundes:

Ein Freund von mir hat im Rahmen seines Archäologiestudiums ein Praktikum an einer Ausgrabungsstätte gemacht. Das Praktikum wurde von der Universität Bonn angeboten und auch vorbereitet.

Insofern fand das erste Lernen also im Rahmen einer universitären Lehrveranstaltung statt.

Die „Mitarbeiter“ waren andere Studenten und Mitarbeiter der Universität. Die Atmosphäre war auf Grund der praktischen Natur der Arbeit eher locker.

Die Aufgaben, mit denen die Studenten betraut wurden, ergaben sich zum einen aus dem aktuellen Bedarf, zum anderen wurde aber auch darauf geachtet, dass nach einer kurzen Eingewöhnung auch verantwortungsvolle Aufgaben übernommen werden konnte. So hatte mein Freund zum Beispiel im späteren Verlauf der Ausgrabung einen eigenen Bereich, in dem er nach Fundstücken suchen und die entsprechenden Forschungen anstellen konnte.

Charakteristisch für das Praktikum war, dass das Projekt erst startete, als die Studenten anfingen. Dadurch konnten die Studenten den ganzen Ablauf einer Ausgrabung miterleben und so eine breite Erfahrung bezüglich eines solchen Vorhabens gewinnen.

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